Satire zur Beamtensprache

 

„Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer dieses privaten Fortbewegungsmittels, wir weisen Sie darauf hin, dass Sie sich mit Ihrem privaten Fortbewegungsmittel in einem, für private Fortbewegungsmittel nicht gestatteten, privaten Fortbewegunsmittelbereich befinden. Das sich unmittelbar neben Ihrem privaten Fortbewegungsmittel befindliche Fortbewegungsmittelverkehrszeichen besagt laut 283 StVO, dass Sie Ihr privates Fortbewegungsmittel weder in geringem Abstand davor, dahinter, links sowie rechts daneben, noch darunter, darüber oder gar darauf zum Stillstand bringen dürfen. Da Sie mit dem, zum Stillstand gebrachten, privaten Fortbewegungsmittel gegen diese deutlich verständliche Fortbewegungsmittelanweisung verstoßen haben, waren wir gezwungen, Ihr privates Fortbewegungsmittel aus dem privaten Fortbewegungsmittelbereich zu entfernen. Aus der daraus hervorgehenden Konsequenz bitten wir um Ihr Verständnis, wenn wir Ihnen nun eine Geldstrafe auferlegen, die Sie innerhalb der nächsten zehn Tage zu zahlen haben. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag!“

 

Wenn Sie irgendwann einmal einen solchen Zettel in den Händen halten sollten, ist es nicht schlimm, wenn Sie ihn nicht sofort verstehen. Mit gewohntem Anstand und Fleiß wird darauf hingewiesen, dass Sie mit Ihrem Fahrzeug im Halteverbot gestanden haben und abgeschleppt wurden, was Sie spätestens zu diesem Zeitpunkt bemerkt haben dürften. Nun taucht möglicherweise die berechtigte Frage auf, weshalb der Zettel nicht auf diese einfache Weise geschrieben wurde. Weil es Beamte sind! Da es allein um diese Tatsache geht, sollten wir an dieser Stelle mehr Verständnis für diese Menschen zeigen. Um diese Art genau zu verstehen, muss sich in ihre Köpfe hinein versetzt werden. Nur so wird deutlich, dass sie bei weitem nicht so schlimm sind, wie zunächst befürchtet:

 

Beamte – sie sind ein Mysterium der Geschichte. Niemand weiß etwas Genaueres über die Herkunft dieser glatt gegelten, wie in graue Schuhkartons verpackten, Wesen, die sich fern von jedem Tageslicht oder dem lebensgefährlichen Geruch der braun verfärbten Windeln ihrer frisch geborenen Kinder, in ihren kargen, trostlosen Baracken einsperren lassen und uns rund um die Uhr mit hormonlosen Worthülsen zuballern, als besäßen sie ein wild wucherndes Pilzgeflecht auf ihrer Zunge.

Nein, jetzt mal ehrlich! Wussten Sie vorher, dass der Wertsack ein Beutel ist, der auf Grund seiner besonderen Verwendung nicht Wertbeutel, sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt, sondern versackt werden? Oder dass die Dienstreise eines Angestellten, wenn dieser während der Dienstreise stirbt, als beendet angesehen wird?

Genau aus diesem Grund brauchen wir diese Randschichten unserer Gesellschaft. Sie klären uns jeden Tag aufs Neue auf und schaffen es, unbequeme Wahrheiten an uns heran zu bringen. Oder wie der Beamte sagen würde: Die Nichtlüge, welche ihren Gesundheitszustand in körperlicher, geistiger und moralischer Sicht in ungewissen Maße beeinträchtigen könnte, ist an den Rest der Bevölkerung fernmündlich zu übergeben.

Davon könnte sich die voll geschminkte Blondine mit den zwei Meter hohen Absätzen, die noch immer der Meinung ist, dass sie „Aldi geht“ eine Scheibe abschneiden. Dann doch lieber Bürozelle statt Reihenhaus, Pilzgeflecht auf der Zunge statt Piercing oder Büroklammer statt Absätze. Manchmal ist es eben besser mit dutzenden Paragraphen zu schlafen, als mit der eigenen Frau. Es ist alles geregelt in unserem Leben. Das Fahrzeug wird zum privaten Fortbewegungsmittel, das Unkraut zur Spontanvegetation und die Brille zu den Augengläsern. So ist es richtig! Niemand braucht diese grauenhaften Stokelsätze aus dem Nachmittagsfernsehen, bei denen nicht nur jeder Deutschlehrer am liebsten auf den Wohnzimmertisch reihern möchte. Oder wollen Sie, dass eines Tages ein Zettel nachhause kommt, in welchem steht, dass  Sie „dem Ihr Auto abholen tun“ kommen sollen? Dann bleiben wir doch lieber beim privaten Fortbewegungsmittel, denn fürs Erste wird Ihnen sowieso nichts passieren, da die Beamten, wie wir ja alle wissen, ab zehn Uhr morgens Feierabend machen!


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