Sie hat mehr Platin- und Goldene Schallplatten als viele berühmte Musiker, einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde, begeistert mit ihrer Arbeit seit 40 Jahren Kinder und Jugendliche und trotzdem kann sie durch die Straßen gehen, ohne viel Aufsehen zu erwecken.
Von wem ich da rede? – Na, von Heikedine Körting, die deutsche Hörspielproduzentin, die unter anderem Die drei ???, Fünf Freunde und TKKG produzierte.
DER SPARGEL hat sie in ihrem Studio in Hamburg besucht und berichtet.

Immer wieder ist die Rede vom Tod der Kassette, der durch die heutige Generation des Internets und der Technik zu erklären sei, denn „Wer hört heute schon noch Kassetten?“
Doch denken wir doch einmal zurück in unsere Kindheit, ihr kennt es sicher auch noch:
Unsere Eltern müssen Besorgungen machen und gehen in einen Elektroladen oder in einen einfachen Supermarkt, wir langweilen uns schon zu Tode, bis wir voller Freude plötzlich dieses riesige Regal mit den vielen bunten Kassetten erblicken, von denen wir schon so viele zu Hause haben, wir aber einfach nicht genug kriegen können. Der Blick wandert langsam in Richtung unserer Eltern, aus dem zuerst gelangweilten, schmollenden Kindergesicht wird von der einen auf die andere Sekunde ein Strahlen, denn die nächste halbe Stunde sind wir damit beschäftigt, die kurzen Beschreibungen aller Kassetten zu lesen und uns nicht entscheiden zu können.
Schließlich dann wieder zu Hause, stolzer Besitzer einer weiteren Fünf Freunde-Kassette, rennen wir in unser Zimmer, um zu hören, was Julian, Dick, Anne, George und der Hund Timmy dieses Mal erleben.

Das waren noch Zeiten!

Heute kaufen wir uns, wenn es hochkommt, noch CDs, doch die meisten starten einfach nur ihren Computer, hören die gewünschten Lieder bei Youtube oder laden sie sich einfach aus dem Internet herunter.

Heikedine Körting findet den Verlust der inzwischen ersetzten Kassetten sehr schade, vor allem, weil man viele einfach nicht mehr bekommt, auch im Internet nicht. Und auch Hörspiele für CDs, die sich ihrer Meinung nach einfach zu lang ziehen, findet sie nicht besser als die guten, alten 60 bis 70 minütigen Kassetten, mit denen sie so viele Schallplatten gewann.

Nach unserem Interview gehen wir dann in das Nebenzimmer, in dem wir lauter Technik erblicken: Von Tonbändern, über Mischpults, bis hin zu Requisiten ist alles dabei. Hier werden die Hörspiele zusammengeschnitten und die Musik und die Geräusche werden hinzugefügt.
Doch bis es überhaupt soweit kommt, geschweige denn bis wir das Hörspiel endlich kaufen können, ist es ein langer Weg:
Zuallererst muss der Autor einen genialen Einfall für eine Geschichte haben, den er dann als Drehbuch aufschreibt.
Schließlich muss die Produzentin Heikedine Körting ein Casting durchführen, um den perfekten Synchronsprecher für die einzelnen Rollen zu finden. Dazu achtet sie besonders darauf, dass die Stimme zu dem jeweiligen Charakterzügen der Figuren passt.

Hat sie dann Kandidaten gefunden, die auch dem Autor gefallen, geht es richtig an die Arbeit: Über Monate werden die Aufnahmen gemacht, wobei aber nicht nur die Stimmen, sondern auch alle Hintergrundklänge aufgenommen werden müssen.
Und dann, ja, dann sitzt Heikedine Körting wieder auf diesem Stuhl, auf dem sie auch jetzt gerade sitzt und schneidet das Hörspiel zusammen, was so lange in Arbeit war.
Dieses ganze Prozedere dauert meistens ein Jahr, und wie Heikedine Körting es so schön sagt: „Mein Lieblingshörspiel ist immer das, an dem ich gerade arbeite!“


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