Das Thema Extremismus wird in letzter Zeit immer öfter zum Gesprächsthema. Doch warum lassen sich Kinder und Jugendliche dazu bringen, extremistisch zu werden?

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Schon zwölf bis dreizehn Jahre alte Jugendliche kommen dem Extremismus immer näher. Aber was sind eigentlich die Gründe dafür? Zum Einen können Familie, Schulbildung oder der Freundeskreis beeinflussend sein. Wenn es nun in einem dieser sogenannten Einflussbereiche ein Problem gibt, wie etwa eine Scheidung, oder Schulstress, ist die Empfänglichkeit dem Extremismus näher zu kommen groß. Dies ist ein Empfinden, bei dem sowohl die Gefühlslage, als auch die Umgebung eine wichtige Rolle spielen. Den Jugendlichen, wird in den Ferien von durchaus rechtsgerichteten Eltern in Kinderlagern der linke und auch der rechte Extremismus näher gebracht. Die Extremen kennzeichnen dies natürlich nicht als z.B. rechtsextremes Camp, sondern, wie es andere Organisationen auch machen, als normales Sommercamp. In den Lagern spielen die Kinder Gesellschaftsspiele im extremen Sinne, sitzen zusammen am Lagerfeuer, wo Deutsche, radikale Lieder gesungen werden. Sie passen sich der Jugend an, tanzen Pogo und kleiden sich modern. Die Kinder erleben ein Gefühl von Gemeinschaft, werden so respektiert, wie sie sind und keiner stellt unangenehme Fragen. Andere Jugendliche werden durch verteilen von CDs oder Flyern vor der Schule mit extremistischen und teilweise rassistischem Inhalt dazu gebracht, eine andere Meinung über bestimmte Themen zu haben.

Der Feind in deiner Clique


Die Jugend sucht Fixpunkte

Des Öfteren kommt es auch vor, dass Radikale in Cliquen eingeschleust werden, um das Denken der jungen Leute zu verändern und die Jugendlichen langsam an das extremistische, rassistische sowie nazistische Denken zu gewöhnen. Ziel ist es, die Jugendlichen für ihre Themen zu interessieren und dass sie später ebenfalls extremistische Anhänger werden. Die Jugendlichen lassen sich darauf ein, weil sie Fixpunkte brauchen, Sachen oder Menschen, auf die sie sich verlassen können und die sagen, was sie zu tun haben oder was sie machen sollen. Sie richten sich darauf ein, kein „vielleicht“ mehr zu haben, sondern nur ein „Ja“ oder „Nein“. Dies geschieht vor allem dann, wenn wie bereits genannt, in einem der drei Einflussbereiche Schule, Familie oder Freundeskreis, ein Problem entsteht. Durch die schrittweise Veränderung sehen sich die Jugendlichen dabei nicht als extremistisch, sondern empfinden ihr Handeln und ihre Ansichten als „normale“ Gruppe nicht als extrem oder radikal. Sie sind auf der Suche nach Gesellschaft, Respekt, Annahme und Bestätigung. Sie fühlen sich stark, und wichtig in ihrer Position, dabei werden sie von höher gestellten Mitgliedern gesteuert. Die Rädelsführer achten auf das Wohlbefinden der Jugendlichen. Nach und nach differenzieren sie, wer für welche Position geeignet ist: Wer gut Reden halten kann, wer Führungsqualitäten hat, wer bereit ist, einen weiteren Schritt zu gehen, (mit einer Flagge auf einer Demonstration langlaufen) so wird ihnen das Gefühl gegeben, dass man ihnen etwas zutraut.

Raus aus dem Extremismus

Die Jugendlichen kommen aus allen Milieus, das heißt, dass sie aus allen sozialen Schichten kommen. Ob sie aus gutem Hause kommen oder nicht, spielt keine Rolle. Auch zwischen West- und Ostdeutschland, gibt es keinen Unterschied. Es stimmt also nicht, dass Extremismus ein ostdeutsches Problem ist. Im Osten finden extremistische Parteien und Bewegungen infolge der höheren Arbeitslosigkeit nur mehr Gehör. Folglich finden sich auch rechtsradikale Parteien wie die NPD im Landtag wieder. Die Dunkelziffer der Rechtsextremen oder Linksextremen wird sehr hoch geschätzt. Dabei müssen die Leute, die extreme Parteien wählen oder dort Mitglied sind, nicht zwingend extremistisch sein. Viele davon sind Protestwähler.

Die Betroffenen, die Hilfe suchen, sind – wenn es sich um jüngere Jugendliche handelt – meist die Eltern, die sich an Hilfestellen oder Diakone wenden, damit sie ihren Kindern helfen, aus dieser Szene wieder hinauszufinden. Wenn Erwachsene dies versuchen, ist es viel komplizierter, denn nach dem Austritt aus einer extremen Organisation kann es unter Umständen sein, dass sie eine neue Identität benötigen und im schlimmsten Fall sogar auswandern müssen, weil sie sonst von den anderen Mitgliedern verfolgt werden könnten. Außerdem, müssen sie zumeist ihren gesamten Freundeskreis aufgeben, da dieser meist nur aus Extremen besteht. Erfolgt der Start in ein neues Leben innerhalb eines neuen Bundeslandes, können sie Unterstützung von den Behörden bekommen, z.B. durch die Registrierung eines neuen Namens, bei der Eröffnung neuer Bankkonten und so weiter.


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