TV-Moderator Oliver Welke im SPARGEL-Interview über den großen Erfolg seiner „heute-show“

Herr Welke, Sie haben mit der Nachrichtensatire, die „heute-show“, den deutschen Comedypreis 2011 gewonnen. Was ist das für ein Gefühl nach einem Jahr voller Arbeit mit einem solchen Preis ausgezeichnet zu werden?

Ach, Preisverleihungen an sich sind schon eine tolle Sache. Die Sendung kriegt Aufmerksamkeit und oft gibt´s auch eine anständige Feier. Wir hatten ja, was das betrifft, geradezu einen Lauf. Mein persönliches Highlight war in der Hinsicht das Jahr 2010, in dem wir mit dem Grimme-, Fernseh- und Comedypreis das Tripple geschafft haben. Den Hattrick der deutschen TV Preise.

Sie sammelten dank Ihres Vaters bereits früh Erfahrungen im Showbusiness. Wie war es für Sie damals, mit gerade einmal fünf Jahren, auf einem Werbeplakat abgebildet zu sein?

Ich habe nur dunkle Erinnerungen daran. Im Nachhinein fühle ich mich natürlich ausgebeutet, weil ein Profimodel wahrscheinlich irgendwas dafür bekommen hätte. Ich durfte nur die lauwarme Wurst essen, die auf dem Pappteller lag. Das war allerdings kein Plakat sondern das Fotomotiv auf der Banderole einer Würstchendose. Meinem Vater hat eine kleine Werbeagentur und an diesem Tag hatte er die Aufsicht über mich. Es war so, dass er mich zu dem einen Fotoshooting mitgenommen hatte. Eigentlich war dafür ein Mädchen gebucht, die sich jedoch ziemlich zickig anstellte und dann kam der Fotograf auf die Idee, mich für diesen Job zu nehmen. Da ich eben auch einen Pappteller halten konnte, war ich dann auf der Würstchendose zu sehen, wobei ich natürlich mit fünf Jahren nicht geahnt habe, dass diese Sorte bis zu meinem fünfzehnten, sechzehnten Lebensjahr verkauft werden würde. Als sich das in meiner Klasse herumsprach, war das der soziale Tod für mich, vor allem weil die Marke dazu noch „Knacker Einfach“ hieß.

Ihre ersten journalistischen Anfänge waren beim „Westfalen-Blatt“. Eine schöne Zeit ohne viel Arbeit oder doch recht anstrengend?

Das war zunächst interessant, weil ich in Münster Publizistik studiert habe und dazu muss man wissen, dass das damals halt kein medienpraktisches Studium war, sondern es war eher sehr theoretisch. Man musste zusehen, dass man über Praktika versucht herauszukriegen, wie Journalismus funktioniert. Mein Einstieg war dann im ereignislosen Sommer 1987 bei der Heimatzeitung, dem „Westfalen-Blatt“. Das war damals wirklich ein totales 77Sommerloch und wir mussten jeden Tag eine Seite voll machen mit Nachrichten aus meiner kleinen Heimatstadt Harsewinkel. Wir haben dann bei jeder Sirene sofort zum Telefonhörer gegriffen, weil wir dachten, da fährt eine Geschichte vorbei oder haben Reportagen über die Krise der Eisdielen geschrieben, weil es in diesem Sommer so viel geregnet hat. Da habe ich gleich gelernt, was Journalismus auch bedeuten kann.

Haben Sie noch Kontakt zu den heutigen Chefredakteuren Andre Best oder Ulrich Windolph?

Meine Zeit beim „Westfalen-Blatt“ muss so um 1988 zu Ende gewesen sein. Ich kenne da gar keinen mehr. Manchmal wird auf meine Arbeit bei dieser Zeitung hingewiesen, aber ich habe da keinen Kontakt mehr. Mit ffn hatte ich noch einige Male zwischendurch zu tun. Wir hatten 2008 eine Jubiläumssendung „20 Jahre Frühstyxradio“, wo der Wischmeyer, der Kalkofe, ich und die anderen noch einmal am Aegi aufgetreten sind und dafür haben wir noch einige Jubiläumssendungen moderiert.

Wie sind Sie von ihrer Position als freier Mitarbeiter einer kleinen Zeitschrift zur Comedy beim Frühstyxradio gekommen?

Ich hab nach dem„Westfalen-Blatt“ noch andere Praktika gemacht, unter anderem beim WDR-Landesstudio in Dortmund für das Fernsehen und daraus hat sich dann eben eine mehrjährige freie Mitarbeit ergeben. Da habe ich dann zum Beispiel für regionale Programme wie die „Aktuelle Stunde“ Filme gemacht und bekam dann, auch noch während meines Studiums, über den Studienkollegen Oliver Kalkofe , einen Kontakt zum Radiosender ffn in Hannover, wo der Olli bereits viel Spaß mit einer eigenen Serie hatte. Nach einer Weile haben wir beide gemerkt, wie gut wir eigentlich zusammen schreiben können und fingen daraufhin an, gemeinsam für das Frühstyxradio zu arbeiten. Später bin ich da ganz hingegangen weil das FSR damals im Norden wirklich was ganz besonderes war.

1996 begannen Sie bei „ran“ als freier Mitarbeiter. Eine große Hilfe für ihre spätere Tätigkeit als Moderator?

Ja, das mit dem Sport hat sich, wie so vieles im Leben, durch eine Verkettung von Zufällen ergeben. Es war so, dass ich bei ffn neben der Comedy auch irgendwann die Morgensendung moderiert habe und gerade zur Europameisterschaft 1996 habe ich logischerweise viel über Fußball gesprochen. Das haben irgendwelche Entscheidungsträger wohl gehört. Gleichzeitig ist auch noch ein Produktionschef von ffn zu Sat1 gewechselt und der hat Reinhold Beckmann eingeredet, man müsse mich mal casten. Daraufhin wurde ich wirklich zum Casting eingeladen und es wurde tatsächlich entschieden, dass man mich mal einsetzen könnte. Erstmal im Sat.1 Frühstücksfernsehen, wo man damals noch vier einzelne Sportblöcke live moderiert hat. Das war eine perfekte Fläche zum Üben, denn das Fernsehen ist ein sehr gnadenloses Medium, wo die Leute einem früh morgens schon ansehen, ob man gute Laune hat oder nicht. Von da an hat mich das schließlich weiter gebracht zu den größeren „ran“-Sendungen.

Sport und Comedy: Inwieweit passt das zusammen?

Gut finde ich. Also bei mir war es natürlich lange so, dass viele Leute dachten, dass ich ein Sportmoderator bin, der jetzt auch noch versucht lustig zu sein. Heute dreht sich das Ganze so, dass viele sagen, dass ich doch der „heute-show“-Moderator bin und sich fragen, warum ich jetzt auch noch Sport moderieren soll. Wichtig ist, dass man das auf dem Schirm immer sauber trennt und sich in den Sportsendungen nicht zu sehr in der Vordergrund spielt.

Sie moderieren Fußballspiele. Daher die Frage: Was ist Ihr Lieblingsverein?

Da kann ich rein privat ganz klar sagen: Borussia Dortmund, und das auch schon lange bevor die großen Erfolge kamen.

Stefan Raab braucht ja bekanntermaßen seine extravaganten Auftritte bei seinen Events. Doch hat er auch neben der Kamera derartige Aufmerksamkeitsdefizite?

Also ich denke, dass jeder Mensch, der vor der Kamera steht, irgendeine Art von Aufmerksamkeitsdefizit hat. Sicherlich geben sich die meisten Kollegen hinter den Kulissen deutlich ruhiger, als sie es dann vor der Kamera sind. Das gilt auch für Stefan Raab.

2003 schrieben Sie zusammen mit Oliver Kalkofe und Bastian Pastewka das Drehbuch zum Film „Der Wixxer“, in dem Sie dann auch eine Rolle spielten. Ein großer Traum, der wahr wurde, oder doch eher Zufall?

Nein, ich sehe mich nicht als Schauspieler. Aus diesem Grund haben wir als Autoren meinen Auftritt auch so klein wie möglich gehalten. Oliver Kalkofe hat dann ja die Hauptrolle neben Bastian Pastewka übernommen, aber die beiden sind in diesen Dingen auch viel erfahrener. Im ersten Teil spreche ich glaube ich insgesamt gerade mal 18 Sätze und dafür hat das Talent gerade noch gereicht.

Schreibarbeiten mit zwei anderen Comedygrößen. Nervtötend oder doch unterhaltsam?

Ich muss gestehen, dass sich die Arbeit sehr lange hingezogen hat. Wir haben wirklich fünf bis sieben verschiedene Fassungen gebraucht, bis wir endlich fertig waren. Hat aber zwischendurch auch Spaß gemacht. Für die Arbeit an Fassung eins sind wir dann extra an die Ostsee gefahren und hatten während dieser Zeit weder Telefon, noch Fernsehen oder sonst irgendwas. ablenkendes Und so haben wir uns dann hauptsächlich auf den Film konzentriert.

Sie haben zusammen mit Morten Kühne das Buch „heute Show“ geschrieben. Ein starker Unterschied zu der Arbeit für Ihr letztes Buch mit zwei Spaßgranaten?

Da gab es für mich überhaupt keinen Unterschied. Ich kenne die alle schon sehr lange.

Ein Buch voller Sarkasmus und Satire. Wie wurde es in medialen und politischen Kreisen aufgenommen?

Ach ja, ich muss sagen, das Buch wurde sehr freundlich aufgenommen. Zuerst dachten ja viele, dass dieses Buch eine Art „Fanbuch“ sein würde und umso überraschter waren die Leser dann, dass insgesamt nur 20 Prozent des Inhalts wirklich aus der Sendung kam. Den Rest mussten wir tatsächlich neu erfinden. Das war erschreckenderweise richtig Arbeit. Ob Politiker das Buch gelesen haben weiß ich nicht. Die meisten sehen die Sendung eher gelassen und amüsieren sich besonders, wenn Kollegen anderer Parteien ins Visier geraten.

In der „heute-show“ gibt es keine politische Figur, geschweige denn eine Person, die ungeschoren davon kommt. Doch wie gehen Sie mit Kritik an ihrer Person um?

Klar, jede Kritik hinterlässt in irgendeiner Art und Weise Spuren und lässt einen schon mal an sich zweifeln. Man darf es aber auch nicht zu nah an sich ran lassen. Vor allem nicht das, was da in so Foren geschrieben wird. Weder die ganz bösen Sachen, noch die Lobhudelei durch Hardcorefans.

Wie jeder, der ihre Show sieht, weiß, hat die Sendung einen speziellen Lieblingsfreund, der jetzt auch zu einem Liveauftritt in der heute Show war: Rainer Brüderle mit einer doch recht eigenen Auslegung der deutschen Sprache und darüber hinaus bekennender Fan der „heute-show“.

Ja, Rainer Brüderle ist ein ganz origineller Fall, weil er neben seinem pfälzischen Dialekt, der in der Region, aus der er kommt, durchaus normal ist, auch noch häufig Silben verschluckt. Dabei denkt er wahrscheinlich immer, dass er sie gesagt hat. Im Prinzip ist er beim Sprechen gedanklich schon viel weiter. Und so was bietet uns natürlich eine gute Vorlage, und er amüsiert sich ja selber darüber.

Es gibt insgesamt überhaupt nur drei Politiker, die sich in die „heute-show“ gewagt haben. Haben Sie wirklich eine derart abschreckende Wirkung auf Politiker?

Nein, ich denke nicht, dass es an mir persönlich liegt. An der Sendung natürlich schon. Am Anfang mag es sein, dass die Politiker erst einmal sehen wollten, wie der erste Gast bei uns behandelt wird, aber sie werden jetzt doch so langsam zutraulicher, mutiger. .Ich glaube außerdem, dass die Politiker, die bei uns waren, von ihrem Auftritt eher profitiert haben und auch Sympathiepunkte eingefahren haben.. Und wenn die Leute sehen, dass sich die Politiker auf den Spaß einlassen, und Nehmerqualitäten haben, dann ist das doch für beide Seiten fast schon eine Win Win Situation.

Nachrichtensatire ist ja nicht immer einfach. Gibt es manchmal Probleme aus nur einer Woche das Material für eine Sendung zusammen zu bekommen?

Da sich ja unsere Sendung immer nach dem aktuellen Geschehen richtet, gibt es natürlich immer Sendungen, die leichter zu füllen sind als andere. Als ab Dezember im letzten Jahr der Skandal mit Christian Wulff in den Medien auftauchte, war es ein Stück logischerweise einen Hauch einfacher, die Show unterhaltsam zu gestalten.

Unsere letzte übliche Frage: Erzählen Sie uns ein Erlebnis aus ihrer Schulzeit.

Ich bin auf ein Gymnasium in Gütersloh gegangen und wir hatten da schon Mitte der 80er einen so genannten „Medienturm“, in dem fast professionelle Radio- und Fernsehstudios untergebracht waren. Im Jahr 1984, haben wir mit Schülern der Oberstufe aus Langeweile angefangen, einen eigenen Spionagefilm zu drehen. Mit, wie wir damals dachten, tollen Dialogen und regelrechten Auto-Verfolgungsjagden. Wir fanden den selber so cool, dass wir den in der Aula vorgeführt haben. Wohlgemerkt fanden wir das damals. Mein 13jähriger Sohn war neulich etwas weniger begeistert, als ich ihn genötigt habe, sich diese 90 Minuten anzusehen. Trotzdem haben die Dreharbeiten riesigen Spaß gemacht, und ich bin tatsächlich insgesamt ganz gern zur Schule gegangen. Jetzt nicht direkt wegen des Unterrichts, aber weil ich da meine Freunde getroffen habe.

Herr Welke, wir danken Ihnen für das Gespräch!


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