Nie zuvor hatte eine Generation so viele Möglichkeiten zur persönlichen Selbstverwirklichung wie unsere. Aber nutzen wir diese Freiheiten oder drohen wir in Beliebigkeit zu verfallen, weil wir Schwierigkeiten haben, uns festzulegen?
Unsere Jugendkultur ist ein Beispiel dafür: Mit den 80er Jahren verbinden wir knallbunte Klamotten, Igel-Frisuren und „Neue Deutsche Welle“ , mit den 90ern die blond gefärbten Techno-Jünger auf der Love Parade. Und woran wird man sich später erinnern, wenn man an unsere Jugendzeit zurückdenkt? An die „Generation Facebook“ oder womöglich sogar an die „Generation Planlos“, die profillos war und irgendwie für gar nichts stand?

Ist es wirklich wahr, dass unsere Generation so farblos ist? So langweilig, so unglaublich unmotiviert und planlos?
Manche behaupten, dass auch unsere Generation ihre besonderen Vorzüge hat, allerdings sind diese wohl nicht immer ganz offensichtlich.

Just the way you are

Zum Beispiel waren die Jugendlichen nie so frei in ihren Möglichkeiten sich auszudrücken, wie sie es jetzt sind. Sie haben endlich die Chance, ihre Persönlichkeit in einer Form darzustellen, wie es noch Jahre zuvor nie möglich war. Doch obwohl sie diese wunderbare Option haben, geben sie ihre Individualität für den Mainstream auf.
So läuft man durch die Straßen und sieht immer die drei gleichen Stereotypen:
Der erste Typ, der Girlietyp, trägt Leggins, dazu den kürzesten Minirock wie geht, hohe Schuhe mit Mörderabsätzen, Ausschnitt bis zum Bauchnabel und blondierte Haare. Er versucht mit schwenkendem Hinterteil, Louis Vuitton-Tasche elegant im Ellenbogen eingeklemmt und arrogantem Blick verzweifelt auf seinen viel zu hohen Leopardenstiefelchen davon zu stolpern.
Seine Hauptziele: Blicke auf sich ziehen, immer im Mittelpunkt stehen, viele „Freunde“ finden, Facebook suchten, auf Partys gehen, bei Subway essen.
Der zweite Typ, der Chillertyp, trägt Baggy, am liebsten in XXL, dazu Gammelturnschuhe, die Haare zu einem unordentlichen Knoten irgendwie oben auf dem Kopf befestigt, knallbunte, körperbetonende Tops mit breitem U-Boot-Ausschnitt, Adidasjacke und Gürteltasche.
Seine Hauptziele: Schule abbrechen, herumschreien, Hauspartys machen, saufen, rauchen, sprayen, shishan, mobben, zocken, zu Mecces gehen.
Der dritte Typ, der romantische Typ, trägt immerzu die gleichen Blümchenblusen mit farbigen Cardigans dazu, liebt seine All Star Chucks, besitzt einen Schrank voll immer gleich aussehender Bluejeans und Retroröcken.
Seine Hauptziele: Schule gut abschließen, rumzicken, Geld der Eltern ausgeben, Musikcharts in- und auswendig kennen, ins Kino gehen, Bravo lesen, Starbuckskaffee trinken.
Diese Darstellung beweist nur noch ein weiteres Mal, dass die Eintönigkeit, die dieser Jugend zugeschrieben wird, nicht zwingend falsch ist. So sehr sie auch versuchen, anders zu sein, so sehr werden sie immer gleicher.

Alles egal!

Wir sind ganz eindeutig eine Generation von Drückebergern. Wir können uns nicht dazu aufraffen, das französische Buch zu lesen oder für einen Lateintest zu lernen. Wir wollen uns einfach nicht mehr weiterbilden. Wir leben gerne nach dem Motto „Doof geboren- Doof gestorben“.

Und was ist nun mit unserer Generation?

Im Vergleich zu Generationen aus anderen Zeiten, zeigt sich, dass wir nicht nur eintönig sind, sondern auch keine Ideale und Ziele mehr haben. In den 70er Jahren war das beispielsweise ganz anders:
Die Jugend war geprägt von der Suche nach Frieden und Spiritualität. Wohin man sah, an jeder Ecke befand sich eine Demonstration. Ja, damals. Damals, als sich junge Menschen noch für Politik interessiert haben! Heutzutage sind sie bestenfalls informiert, aber niemals engagiert.
Aber schauen wir uns auch mal die anderen wichtigen Ereignisse in der Welt an, denn wer guckt schon Nachrichten? „Irak? Was‘n das?“ Die Jugend heutzutage hat keinerlei Allgemeinbildung, ganz zu schweigen von den geschichtlichen Gegebenheiten, insbesondere die deutsche Vergangenheit. Stattdessen surfen wir lieber im Internet nach belangloser Unterhaltung und haben nichts besseres zu tun als die Ärzte zu hören.
Auch wichtigere Dinge wie die Natur interessieren uns nicht besonders: Unsere Kaugummis spucken wir auf die Straße, unser Müll landet ganz zufällig im Naturschutzgebiet und geduscht wird anstatt der benötigten siebeneinhalb Minuten eine halbe Stunde. Ebenso ist das Fensteraufreißen während des Heizens beliebt. Kurz gesagt: die Umwelt und ihre Zukunft ist uns vollkommen egal.
Was mit unseren Nachfahren, ja vielleicht unseren eigenen Kindern und Enkelkindern geschieht, wie sie später einmal leben müssen, das alles wollen wir nicht wahrhaben.
Jedoch sind es nicht nur die Natur und unsere Nachkommen, über die wir uns Gedanken machen sollten, nein, auch um unsere Mitmenschen sollten wir uns sorgen. Denn von Mitgefühl kann nicht die Rede sein. Ein Freund fällt hin, und was machen wir? Von wegen aufhelfen, nein, wir lachen ihn aus, filmen ihn und machen ihn zum Gespött der Nation, indem wir das Video anschließend im Internet hochladen.

Vorbilder?!

Doch auch die damaligen Vorbilder unterscheiden sich enorm von den heutigen. Galten damals noch Elvis, Martin Luther King und ABBA als die größten Leitfiguren und Idole, sind die heutigen mehr als fragwürdig. Justin Bieber, Charlie Sheen, Lady Gaga und Thomas Gottschalk? Dann doch lieber Guttenberg und Wulff! Vielleicht sind genau solche Vorbilder der Grund, warum sich die Jugendlichen von heute mit nichts mehr identifizieren können.

Musik als Begleiter

Kommen wir zur Musik: Früher waren die Jugendlichen Anhänger verschiedener Bewegungen. Beispielsweise hatte die Reggaebewegung eine riesige Anziehungskraft auf die jungen Leute. Nicht nur im musikalischen Sinne, sondern auch optisch. So liefen von Zeit zu Zeit immer mehr Personen mit Dreadlocks und „Jamaicamützen“ herum.
Eine weitere Begeisterungswelle zogen Rap und HipHop mit sich. Plötzlich traf man nur noch auf Menschen mit viel zu großen Klamotten, Cappys auf dem Kopf und riesigen Ghettoblustern mit lauter Musik auf den Schultern.
Tja, und was ist nun mit unserer Generation?
Zwar ist es cool, riesige Kopfhörer zu besitzen, was ist jedoch mit der Musikkultur? Elektronische Musik, Techno und wenig Originalität. Nicht nur in der Politik klaut jeder von jedem, selbst Musiker haben in Bezug auf ihre Lieder nicht mehr die atemberaubendsten Einfälle. Außerdem werden Künstler heutzutage nur noch auf ihre Bühnenshow, auf ihr Aussehen und ihre privaten Verhaltensweisen reduziert.

Von In- und Outsidern

Verheiratet mit unseren Handys? Nee, mit unserem iPhone, HTC oder Blackberry. Heute sind Markensymbole so wichtig wie noch nie zuvor. Ganz nach dem Spruch „Wenn du kein iPhone hast, dann hast du kein iPhone!“.
Dadurch kommt es unter anderem auch zu Mobbingvorfällen. Nur weil manche Menschen nicht in das heutige Schema passen, werden sie sofort abgeschrieben und ausgegrenzt. Das zeigt nur noch einmal, dass die Individualität nicht mehr ausgeprägt wird.
Fast alle jungen Mädchen möchten Topmodel werden, gehen zu Castingshows wie „Germanys next Topmodel“, um sich dort unter Qualen und vor aller Augen demütigen zu lassen. Wer die Sendung nicht guckt, ist nicht normal und kann auch nicht an den Gesprächen am nächsten Tag in der Schule teilnehmen. Auch wer nicht zu den coolsten Partys eingeladen ist oder nicht hingeht, um sich zu besaufen, gilt als Outsider.

Wir können auch anders!

Aber können wir nicht vielleicht sagen, dass es auch positive Dinge über unsere Jugend zu berichten gibt? Sind wir wirklich nur so planlos wie alle sagen?
Eigentlich kann man behaupten, dass wir unseren eigenen Kopf haben. So entscheiden wir ganz selbst, ob wir nun etwas für die Schule tun oder nicht, ob wir Fußball spielen oder lieber Tennis oder ob wir uns dem Gruppenzwang unterwerfen oder unser eigenes Ding durchziehen.
Vielleicht ist es ja gerade diese Freiheit, die uns dermaßen planlos macht. So werden wir nicht mehr in Schranken gewiesen, weder von unseren Eltern, noch von der Gesellschaft. Wir können heiraten, wen wir wollen, wir können reisen wohin wir wollen, generell, wir können machen, was immer wir wollen.

Unser Fazit lautet:

Rückblickend können wir die vergangenen Generationen mit Leichtigkeit beschreiben und erfassen, allerdings können wir dasselbe nicht bei unserer Generation tun, da wir selbst noch mitten drin stecken und somit nicht alles ohne Vorurteile beurteilen können.


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