Wolltet ihr schon immer mal wissen, was andere Personen durch einen vermeintlich unbedeutenden Text über eure Persönlichkeit herausfinden können? Eure versteckten Talente oder negativen Charakterzüge kennenlernen? Dies alles kann ein Graphologe durch die Analyse eurer Handschrift herausfinden.
Das glaubt ihr nicht? Um zu überprüfen, ob man von der Handschrift tatsächlich auf den Charakter eines Menschen schließen kann, haben die Spargel-Redakteure die 76-Jährige Graphologin Heidrun Strubl aufgesucht.

Schon als kleines Kind fragte sich die Expertin für Handschriften, wie es möglich sein könne, dass Menschen verschiedene Interessen haben und sich unterschiedlich verhalten. Deshalb versuchte sie in fortgeschrittenen Jahren diesem psychologischen Mysterium nachzugehen und wollte ihren Beruf dementsprechend ausrichten.
Da sie ihren Wunschberuf mangels Ausbildungsmöglichkeiten nicht erlernen konnte, übte sie einige Jahre den Beruf der Apothekenhelferin aus. Daraufhin erlernte sie den Beruf der Krankenschwester. Diese Tätigkeit machte ihr zwar Spaß und sie blieb auch lange dabei, doch bekam sie – wie es das Schicksal so wollte – eines Tages einen Flyer in die Hand, auf dem die Berufsvorstellung eines Graphologen zu lesen war.
Ihr erster Gedanke war: „Was für ein Schwachsinn!“. Doch nach mehrmaligem Nachdenken kam sie zu dem Entschluss, dass die Graphologie im Endeffekt der Psychologie, der sie sich schon lange Zeit verschrieben hatte, ziemlich ähnlich sei. Somit informierte sie sich über diesen Beruf und bemerkte, dass die Graphologie eine Art dessen war, wovon sie als Kind schon immer geträumt hatte. Also suchte sie einen Lehrer auf, der ihr die Grundlagen der Graphologie beizubringen vermochte, denn die Kompetenz zur Erstellung einer charakterlichen Diagnose kann nur durch jahrelange Erfahrung erlernt werden, damit die Analyse einer Handschrift auch wirklich zu einem wahrheitsgemäßen Ergebnis führt. Während ihrer dreijährigen Ausbildung erlernte und baute Frau Strubl dann das dringend benötigte Einfühlungsvermögen aus. Auch lernte sie ihren gesunden Menschenverstand und den Draht zu Menschen sinnvoll einzusetzen. Nachdem ihre Ausbildung beendet war, stand sie nun auf eigenen Füßen. Sie musste lernen, völlig vorurteilsfrei und neutral gegenüber ihren Kunden zu sein. Dabei merkte sie, dass es ihr leichter fällt, allein die Schriftproben vor sich liegen zu haben, als durch das äußere Erscheinungsbild des Menschen beeinflusst zu werden.

Aber was passiert nun wirklich bei einer Handschriftenanalyse?

Anhand einer abzuarbeitenden Liste und einem Diagramm, das in Fachkreisen Graphopsychogramm genannt wird, beginnt sie mit ihrer dreistündigen Analyse. Die Liste beinhaltet Punkte, wie zum Beispiel „Geist“, „Allgemeines Verhalten und Anpassung“, oder „Gefühl“. Diese und viele andere Punkte setzt ein Graphologe dann wie die Teile eines Puzzles zusammen, um das gesamte Wesen eines Menschen zu begutachten. Denn dieses muss im Ganzen erkannt werden, weil einzelne Punkte in Verbindung mit bestimmten Merkmalen, einen ganz neuen Charakterzug aufdecken können. Allerdings fällt es ihr schwer, einen handschriftlichen Text zu lesen ohne ihn zu analysieren, da sie sofort einen Eindruck des Charakters erhält. Frau Strubl selbst beschreibt den Verlauf der Analyse als die „Übersetzung des psychischen Vorhandenseins“. Die Analyse ist ziemlich kompliziert und arbeitet auf ein Gutachten hin, welches der jeweiligen Person ausgehändigt wird.

Es gibt keine bestimmte Zielgruppe, die einen Graphologen wie Frau Strubl aufsucht. Allen voran sind es Privatpersonen, die eine Analyse ihrer Persönlichkeit haben wollen, da sie zum Beispiel psychische Probleme haben, erklärt uns die Spezialisten auf diesem Gebiet. Aber auch Geschäftsleute kommen mit Schriftproben ihrer Bewerber zu ihr, um durch eine Diagnose zu erfahren, ob diese für eine bestimmte Stellung geeignet sind. Doch nicht jeder ist der Meinung, dass diese Wissenschaft es auch verdient, Wissenschaft genannt zu werden. Die Kritiker sind beispielsweise der Meinung, dass die Analyse des Charakters nicht mit der Wahrheit übereinstimmt.

Angesichts der Tatsache, dass es sich bei der Graphologie um eine recht unbekannte Wissenschaft handelt, gab es im Hause Strubl aber auch schon kuriose Missverständnisse: So kam es z.B. dazu, dass schon Personen zu Frau Strubl gekommen sind, in der Erwartung, sie würde ihnen nun eine Karte oder ein Schild zeichnen, da sie annahmen, dass sie es mit einem Geographen zu tun haben. Obwohl die Ausübung der Analyse manchen Menschen helfen kann ihre eigene Persönlichkeit zu entdecken, birgt dieser Beruf auch seine Risiken. So beschweren sich zum Beispiel manche Kunden, die nicht damit umgehen können, dass ihr Gutachten auch negative Aspekte aufweist.

Ob die Graphologie, also die Analyse des Charakters, einem persönlich weiterhilft und man davon überzeugt ist, oder aber dies alles für eine Pseudowissenschaft hält und lieber nur auf das vertraut, was einem bekannt ist – das müsst ihr für euch selbst entscheiden!


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