Zwischen schlecht gegoogelten Horoskopen und rosaroten Glücksbringerschweinchen: Wie wir täglich dem Schicksal verfallen!

Wie gut es die Menschen heutzutage doch haben! Dank der übernatürlichen Heilstätte Astro-TV für seelisch Untherapierbare und dem Massenangebot an Tageshoroskopen von unterbezahlten Redakteuren, die nicht wissen, was sie neben schlecht gegoogelten Bauernregeln, noch schreiben können, sind wir bestens auf unsere Zukunft vorbereitet.

Die kartenlegenden Sterndeuter, die vor laufender Kamera teilweise dazu neigen, übermenschliche Fähigkeiten zu entwickeln, wissen genau, wann der richtige Partner vom Himmel fällt, wann der ersehnte Reichtum naht und vielleicht kommt jemand zusätzlich auf den Geschmack, die allwissende Todesuhr im Internet zu befragen, die je nach Wunsch, ob rücksichtsvoll oder gnadenlos, den genauen Sterbezeitpunkt voraussagen kann. Aus diesem Grund scheint es so, als könnten wir uns entspannt zurücklehnen, denn das Schicksal hat es nun einmal so gewollt. Ein Hoch auf all diejenigen, denen durch die Gnade des richtigen Sternzeichens das viele Geld in die Taschen floss und eine große Runde Mitleid für die Menschen, die als gesellschaftliche Opfer geboren wurden. Als wäre dies alles noch nicht genug, wird das konstant eingeschränkte Denkvermögen einer Minderheit schamlos durch den Verkauf von Glücksbringern, wie tanzenden Bären im Schornsteinfegerkostüm oder rosaroten Schweinchen mit eingebranntem Hufeisen auf ihrem Hinterteil, ausgenutzt. Nicht zuletzt wird durch das unkontrollierte Pflücken von vierblättrigen Kleeblättern die Umwelt negativ beeinflusst. Schließlich sitzen diese Menschen in ihren voll gestellten Wohnungen und warten darauf, dass sich ihr Schicksal zum Guten wendet.

Allerdings verleitet uns das Schicksal nicht nur zu untätigem Warten, sondern auch dazu, die verschiedensten Dinge im Leben widerstandslos hinzunehmen. So braucht sich die 16-Jährige Klara auch nicht weiter um ihre Fünf in Mathe zu kümmern, da das geliebte Schicksal ihr bei der Geburt zwar einen Duden in den Kopf warf, was die Eins im Fach Deutsch erklärt, jedoch vergessen hatte, ihr einen Taschenrechner ins Hirn zu pflanzen. Wie könnte da jemand nur auf den Gedanken kommen, dass das Wort „Schicksal“ einfach nur eine Umschreibung für die Faulheit pubertärer Plagen ist, die zwar nicht das kleine Einmaleins beherrschen, dafür aber fleißig die Tage zählen, die sie mit ihrem Freund oder der Freundin zusammen sind, was in der Regel ja nicht so lange ist, wenn man sich das Vorabendprogramm auf RTL betrachtet. Doch es wäre mehr als unfair, nur bestimmten Leuten die Schuld zuzuschieben, denn Aberglaube ist überall auf der Welt ein weit verbreitetes Problem. Es gibt Hotels, in denen gar auf das dreizehnte Stockwerk verzichtet wurde, Flugzeuge ohne eine dreizehnte Reihe und irgendeinem schlauen Professor mit zu viel Tagesfreizeit ist aufgefallen, dass die Dreizehn, die am seltensten gezogene Zahl beim Lottospiel ist. Wer in diesem Fall an Zufall denkt, dem ist nicht länger zu helfen! Spätestens nach Harry Potters Bestimmung den Kampf gegen das Böse zu führen, müsste jedem scheiwnbaren Realisten die Erklärung im Hals stecken bleiben.

Dennoch muss eine Frage gestattet sein: Ist es wirklich Schicksal, dass Holland nie die Fußballweltmeisterschaft gewinnt? Ist es wirklich Schicksal, dass die schlecht einparkenden Frauen älter werden als ihre selbstbewussten Männer und ist es tatsächlich Schicksal, dass ausgerechnet in Deutschland ein österreichischer Gastarbeiter mit Minderwertigkeitskomplexen die Herrschaft übernehmen konnte?
Diese Fragen werden wohl nie beantwortet werden können – weder von schlechten Horoskopen in Werbeblättern, noch von billigen, in China produzierten, Goldketten. Was bleibt uns da noch, um zu einem vernünftigen Schluss zu kommen? Ganz einfach! Die erziehungsersetzende Flimmerkiste ausschalten, anstatt die Wohnung mit kleinen Schweinchen zu blockieren, etwas ordentliches zu essen für die Kinder besorgen, der sechzehn Jahre alten Klara einen Gutschein für die Mathenachhilfe schenken und das Leben einmal selbst in die Hand nehmen. Denn dann wird es schon irgendwie laufen…


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