Super-Nanny für Fortgeschrittene: Die Droge Ritalin erhält immer häufiger Einzug in deutsche Kinderzimmer – doch nicht nur da…

Wer kennt ihn nicht? Den Zappel-Philipp! Dieser wird heute mit dem Syndrom ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) bezeichnet. Ebenfalls werden ADHS Betroffene noch heute mit dem Struwwelpeter sowie Michel aus Lönneberga verglichen.

ADHS ist weit verbreitet

In Deutschland sind rund fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen davon betroffen, Jungen angeblich dreimal so häufig wie Mädchen. Allerdings haben Mädchen mit ADHS im Vergleich zu Jungen häufig eine Beeinträchtigung ihrer Lernleistung oder sie sind emotional auffällig, sie sind zum Beispiel in einer depressiven Verfassung, was ein Grund dafür sein kann, warum ADHS bei ihnen häufig übersehen wird.
Dass man auch im Erwachsenenalter an dieser Störung leidet, wird häufig übersehen. Allerdings haben Erwachsene häufig bessere Kompensationsmechanismen um mit dieser Krankheit umzugehen und fertig zu werden. Es gibt einige Beispiele von ADHS im Erwachsenenalter, die in relativ sprunghaften Tätigkeiten zum Teil als Moderatoren bei Film, Funk und Fernsehen arbeiten.

Belastung für die Patienten

ADHS Patienten, die allerdings erst im Erwachsenenalter zur Diagnose finden haben es sehr schwer ihr Leben zu ändern. Anzeichen für die Hyperaktivitätsstörung sind häufige Unachtsamkeit, gesteigerte Impulsivität und Überaktivität. Von ADHS wird gesprochen, wenn diese Symptome situationsübergreifend in mindestens zwei verschiedenen Lebensbereichen auftreten. Betroffene sind häufig Jugendliche, welche im Dauerstreit mit den Erziehungsberechtigten sind, oder welche schulische Probleme haben, früh rauchen, bei denen es Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt gab, wie ebenfalls genetische Ursachen oder Gangs gründen. Der Grund dafür sind neurobiologische Störungen, denn das Gehirn erlaubt diesen Menschen nicht die Person zu sein, die sie gerne sein würden. Um der Krankheit entgegen zu wirken ist laut Kinder- und Jugendpsychiatern Ritalin die „optimale Performance“. In den USA sind Ritalin oder andere Medikamente längst zu einem unentbehrlichen Erziehungshelfer geworden. Jeder zehnte Junge bekommt dort diese Medikamente! Während 1988 „nur“ zwei Tonnen verschrieben wurden, waren es 1997  schon 14!

Ritalin auf dem Vormarsch

Die Person wird durch die Einnahme nach ungefähr 20 Minuten für drei bis vier Stunden ruhiger und die Impulsivität normalisiert sich, die Leistungsfähigkeit des Kurzzeitgedächtnisses nimmt zu und es kommt zu einer deutlichen Verminderung des hyperaktiven Verhaltens. Bei Erwachsenen wird es auch gegen die Schlafstörung Narkolepsie eingesetzt. Zum Einnehmen von Ritalin braucht man eine Ärztliche Bescheinigung, da es unter das Beteubungsmittelgesetz fällt und verschreibungspflichtig ist. Auch in Deutschland steigen die Verschreibungszahlen des Ritalin Wirkstoffes Methylphenidat drastisch: 2000 waren nur 463 Kilogramm von Ärzten verschrieben worden im Jahr 2010 sind es schon 1760 Kilogramm gewesen, bei schätzungsweise 400.000 Betroffenen.

Nicht immer nur vorteilhaft

In höheren Dosen hat Ritalin sogar dieselbe Wirkung wie Kokain, was zur Folge hat das Gedanken ausgeblendet werden, Emotionen verflacht und die Merkfähigkeit gesteigert wird. Trotz angemessener Dosierung kann Methylphenidat bei Langzeitanwendung zu einer Wachstumsstörung führen und Gewichtsproblemen verursachen, da es zu einem Rückgang des Appetits und des Durstes kommt. Überlastung des Nervensystems, Krämpfe, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und Übelkeit sind weitere Folgen, die in den meisten Fällen nach der Absetzung des Medikaments aufhören.

In hohen Dosen hat Ritalin dieselbe Wirkung wie Kokain

Während der Einnahme kann man die Nebenwirkungen nur geringfügig mildern, indem das kann man das Methylphenidat nach dem Essen verabreicht oder die Hauptmahlzeit auf den Abend verlegt, nachdem die Wirkung abgeklungen ist. Da Ritalin nur die Symptome lindert wird es häufig kombiniert mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen kombiniert, um auch die Ursachen von ADHS zu bekämpfen. Viele Experten sind allerdings der Meinung, dass es heute bequem ist eine Therapie mit Medikamenten zu verschreiben ohne weitere Therapien in Angriff nehme zu müssen. Für viele Kinder wird es nicht reichen nur Medikamente zunehmen, deshalb ist es immer sinnvoll eine andere Therapie nebenher zu machen. Die meisten Eltern versuchen mit strengeren Regeln das Kind in die richtigen Bahnen zu lenken, was durch den Einsatz von Ritalin einfacher wird und auch die Anpassungsfähigkeit in der Schule wird leichter. Was oft nicht bemerkt wird: Kinder, die an ADHS leiden, sind genauso intelligent, wie gesunde Kinder, sie können ihre Fähigkeiten allerdings auf Grunde der Störungen nicht nutzen. Es darf aber nicht ausschließlich als alleinige Therapie benutzt werden.

Fazit

Normalerweise beginnt man mit 10 Milligramm des Präparates pro Tag am Morgen. Danach wird die Dosis in wöchentlichen Schritten mit 5-10 mg vorsichtig gesteigert und erprobt. Die Tageshöchstdosierung sind 60mg. Im Durchschnitt nehmen die Kinder das Medikament ein bis drei Jahre. Alternativen sind z.B. Homöopathie, Amphetamine und Antidepressiva. Über die Langzeitwirkung des Medikaments ist bisher noch nichts bekannt, da Ritalin allerdings chemisch gesehen ein Rauschgift ist, sind Langzeitwirkungen nicht auszuschließen. Dass es wirklich, wie in einigen Fällen behauptet wird, zu Parkinson führt, ist wissenschaftlich nicht bewiesen!


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