Die 30 bis 45 Minuten vergehen wie im Flug und schon ist es schon wieder vorbei. Und das auch noch an der spannendsten Stelle! Na toll, jetzt wieder eine ganze Woche warten, dabei will ich doch wissen, wie es weitergeht! Können die nicht mal schneller drehen?

„Nein, können sie nicht!“ ist die Antwort des SPARGELS. Wisst ihr denn nicht, wie viel Arbeit hinter einer einzigen Folge, ja einer einzigen Szene steckt und wie viele daran beteiligt sind?

Wir waren für euch einen Tag in Hamburg, um hinter die Kulissen von „Notruf Hafenkante“ zu schauen und genau das herauszufinden.

Die Gaderobe ruft

Für die Schauspieler beginnt der Tag in der Maske. Doch bevor die Maskenbildnerin überhaupt anfangen kann, die Darsteller hübsch zu machen, muss sie sich einen genauen Plan erstellen. Dazu muss sie das Drehbuch gelesen haben, denn in manchen Szenen gibt es „Specials“, wie Kopfverletzungen, die natürlich mehr Zeit in Anspruch neben, als das übliche Schminken, Stylen und Zurechtmachen.

Hinzu kommt, dass die Szenen nicht in der chronologischen Reihenfolge gedreht werden, sondern bunt gemischt über das Jahr verteilt, weshalb die Maskenbildnerin Fotos von den Frisuren, der Schminke und den Verletzungen machen muss. Wird die andere Hälfte der Szene dann nämlich beispielsweise ein halbes Jahr später gedreht, muss alles genau gleich aussehen, sonst kann es passieren, dass die Zuschauer vom allseits bekannten „Filmfehler“ reden.

Die Garderobe ruft! Nun geht es ab zum Outfits ausprobieren: Das kleine Schwarze oder doch lieber die legere Jeans kombiniert mit einem T-Shirt? Diese Frage haben die Garderobiere zu beantworten. Im Voraus haben sie sich schon unterschiedliche Outfits für die einzelnen Schauspieler erarbeitet, sodass nur noch schnell ausprobiert werden muss, welches nun das Beste ist. Die Kostüme stammen von einem Kostümbildner und müssen höchstens noch gekürzt werden.

Auch hier werden Fotos geschossen, um die zukünftigen Dreharbeiten zu vereinfachen.

Nun müssen die Außenrequisiteure, welche für das Vorhandensein der benötigten Gegenstände am Set zuständig sind und die Innenrequisiteure, die die Aufgabe haben, dass eben diese Dinge an der richtigen Stelle des Sets positioniert sind.

Bevor es dann aber endlich ans Set geht, werden die Darsteller von dem Aufnahmeleiter empfangen. Seine Aufgabe ist es, sich darum zu kümmern, dass am Drehort alles vorhanden ist und funktioniert. Außerdem ist er für die Planung des zeitlichen Ablaufs, die Disposition, zuständig.

Wir dürfen zusehen, wie der Dreh einer einzigen Szene ihren Lauf nimmt und immer mehr an Form gewinnt.

So werden an einem Tag bis zu 10 Stunden gedreht.

Nur zur Info: Für eine Kameraeinstellung, die am Ende eine Minute dauert benötigt man eine ganze Stunde.

Die Schauspieler beginnen jetzt mit einer Probe, in der sie mit dem Regisseur genauestens besprechen, was, wie, wo passiert.

Während des Drehs hat der Regisseur die Verantwortung über so gut wie Alles und Jeden und sein Assistent sorgt dafür, dass er zufrieden ist. Dennoch muss er sich an Gesetze halten, die ihm von der Produktion und dem Kunden vorgegeben werden.

Bei der Arbeit mit den Schauspielern kann er allerdings seine eigenen Entscheidungen treffen.

So ist der Regisseur von „Notruf Hafenkante“ Jörg Schneider der Meinung, dass die Schauspieler nicht bei jedem kleinem Fehler unterbrochen werden sollten, da sie sich sonst nicht mehr konzentrieren können und einige Teile der Szene möglicher Weise noch verwendet werden könnten.

Der Dreh beginnt

Und dann ist es endlich soweit! Der Dreh beginnt und wir sind gespannt, wie sich die Schauspieler machen, und was alles zu beachten ist.

Foto Hafenkante

Zu Beginn wird eine Perspektive, beispielsweise die des Polizeimeisters Tarik Coban gefilmt. Dabei spielen alle wie immer die Vorgabe des Drehbuches. Anschließend wird diese gleiche Szene noch einmal aus der Sicht der Polizeihauptmeisterin Claudia Fischer, des Polizeikommissars Mattes Seeler und des Revierleiters Martin Berger gefilmt. Diese ganzen gedrehten einzelnen Stücke ergeben dann, wenn sie zusammengeschnitten wurden, das Endprodukt: die fertige Szene, die dann auch im Fernsehen zu sehen ist.

Beim Zusammenschneiden allerdings ist vieles zu beachten: Zum Einen, dass die Schauspieler gut im Bild sind und die technische Belichtung stimmt, zum Anderen, dass die richtige Stimmung und der Blickwinkel (ob von oben oder von unten gefilmt wird) richtig wirken.

Während unserer Zeit hinter den Kulissen hatten wir die Möglichkeit, kurz den Kameramann Simon Zeller zu interviewen: „ Die Ereignisse sehen im Fernsehen sehr einfach aus. Dies ist wegen der vielen Dinge, die beachtet sind, aber nicht so. Was die Zuschauer nicht bemerken bzw. nicht merken sollen, ist, dass die Kamera die Geschichte erzählt.“

Das Licht täuscht

Aber nicht nur die Kamera spielt eine große Rolle beim Dreh. Nein, auch das Licht ist eines der wichtigsten Dinge für ein gutes Ergebnis. Der Beleuchter muss dafür sorgen, dass die Schauspieler im Rampenlicht perfekt aussehen. Des Weiteren hat er die Aufgabe die Zuschauer zu täuschen, denn wie wir herausfanden spielt die Serie gar nicht direkt am Hamburger Hafen.

In Wirklichkeit hängt eine Plakatwand mit einigen Schiffen hinter den Fenstern, die so beleuchtet werden müssen, dass es echt wirkt.

Nach mehreren interessanten Stunden findet dann zwischen 12 und 13 Uhr eine Pause statt, in der das gesamte Team zusammen Mittag isst. Dafür steht ein Cateringservice vor der Tür, der auf die einzelnen Wünsche der Mitarbeiter eingeht.

Am Tag gibt es vier bis acht Menüs, die von den Küchenteam selbst und frisch zubereitet werden. Dieser Service steht dem Set jeden Tag zur Verfügung und sorgt nicht nur für ein warmes Mittagessen, sondern auch für Frühstück und Snacks zwischendurch.

Die Schauspieler

Von den Schauspielern haben wir erfahren, dass sie nicht sehr viel Zeit haben, um ihre Rollen für die jeweiligen Szene des nächsten Drehtages durchzugehen, weil sie ja den ganzen Tag die heutigen Szenen drehen und nur am Abend lernen können. Deshalb kommt es oft zu Versprechern, die am Ende zu den lustigen Outtakes, zusammengeschnitten werden, über die jeder gerne lacht.

Doch leider kommt durch die viele Zeit am Set und das ständige Lernen der Texte die Familie ein bisschen zu kurz. Die meisten Schauspieler ziehen dann nach Hamburg, um mehr voneinander zu haben und nicht immer noch die langen Fahrten auf sich nehmen zu müssen.

Serhat Cokgezen erzählte uns begeistert von seiner Lieblingsszene: Mitten im Winter sprang er ins Meer, um einen kleinen Jungen zu retten. Danach kam er allerdings nicht mehr aus dem kalten Wasser heraus.

Und Matthias Schloo, der durch das Schultheater zum Schauspielern gekommen ist, erzählte uns von seiner lustigsten Szene: Als sein Kollege mit seinem Text anfangen wollte, stolperte ein riesiger Mann, dessen Hände mit Handschellen gefesselt waren, und fiel bäuchlings hin. Von den zwei Polizisten hinter ihm konnte er allerdings nicht gehalten werden, sodass er in die Requisite flog.

Fazit

Wir sprechen Respekt aus, an alle Menschen, die Serien oder Filme drehen. So viel Arbeit hätten wir wirklich nicht erwartet! Klar, wir wussten, dass es schon lange dauert, bis so ein Projekt fertig ist, aber erst nachdem wir dann live dabei waren, konnten wir beurteilen WIE viel Kraft, Schweiß und vor allem Willen dahinter steckt.

Seit unserem Besuch in Hamburg ertappen wir uns immer wieder dabei, das wir uns fühlen, als ständen wir hinter der Kamera, direkt im Film und würden alles live miterleben.

Und vielleicht schaut auch ihr euch nun die Filme mit einem anderen Auge an, findet möglicherweise sogar den einen oder anderen „Filmfehler“ oder wisst es ein bisschen mehr zu schätzen, was das komplette Team hinter und vor der Kamera so leistet.

Die Spargelredaktion bedankt sich bei Studio Hamburg und dem Set von Notruf Hafenkante für den interessanten und sehr informativen Tag.

 


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