Eine Fortsetzung unserer Artikelserie über die letzten Generationen

PRO

Ein „Make-over“ würde der deutschen Sprache äußerst gut tun. Viele veraltete Vorstellungen und Begrifflichkeiten halten uns nur davon ab, uns den neuen Erfordernissen der heutigen Zeit anzupassen. Unsere Welt ist im Wandel: Es wird globalisiert, was das Zeug hält. Da ist unabdingbar, auch eine gemeinsame Sprache zu sprechen, also Englisch. Somit verbindet eine Jugendsprache die erforderliche Internationalität mit dem Nötigsten der deutschen Sprachkultur. Und dabei wird gehörig ausgemistet: Es wird nicht mehr geastet, sondern man arbeitet heavy. Die Jugendlichen, die offen gegenüber der neuen Weltordnung sind, müssen da gar nicht lange drüber nachdenken: Alles, was überflüssig und unverständlich ist, wird einfach weggelassen. Es sind die jungen Generationen, die unter den neuen Bedingungen einer zusammengeführten Welt leben müssen, also sollte es auch ihre Entscheidung bleiben, wie sie in dieser leben wollen. Kritiker sollten sich bewusst sein, dass manches vereinfacht wird, aber nicht abgeschafft. Überhaupt, ist es nicht zu erwarten, dass „Deutsch“ irgendwann ausstirbt. Selbst mit den vielen Neuerungen, insbesondere den Anglizismen, wird die Grundessenz unserer Muttersprache nicht zerstört Die nächsten Generationen werden immer noch Deutsch lernen, ein neues Deutsch vielleicht, aber es wird immer noch keine komplett andere Sprache. Vielleicht werden viel mehr Kinder zweisprachig mit Deutsch und Englisch großgezogen, aber sie werden immer noch ihre Muttersprache sprechen können. Zwar muss dann der Unterschied zwischen den englischstämmigen Wörtern und Deutsch intensiver gelehrt werden, aber das Sprachgefühl dafür wird allen Deutschen erhalten bleiben. Des Weiteren muss man bedenken, dass es in jeder Generation eine Jugendsprache gab. Die Älteren waren damals ebenso besorgt, um das Bestehen der deutschen Sprache. Doch offenbar geht durch die Jugendsprache nicht wirklich viel an der deutschen Sprachkultur verloren, ansonsten würden wir immer noch Alkohol mit „Tanzwasser“ bezeichnen, fänden Schule urinös, Ferien wären wonnig, Mädchen würden Schnecke genannt werden und Jungen Macker. Und nebenbei: Schon damals haben sich englische Wörter in den alltäglichen Sprachgebrauch eingeschlichen: Spätestens seit dem Film „Tadellöser & Wolf“ aus den 70ger Jahren ist der Ausspruch „Ja, ist das denn die Possibility“ weitverbreitet.

Mit der Jugendsprache haben sich nicht nur viele Wörter verändert, sondern auch einige Umgangsformen. Nach englischem Vorbild wird heutzutage lieber geduzt als gesiezt. Das ist auch keine schlechte Sache, da so die Distanz, die zwischen den Menschen aufgebaut ist, leichter überwunden wird. Vielleicht mögen ja manche sagen, dass mit dem „Siezen“ die Höflichkeit und der Respekt gerade gegenüber Erwachsenen abnimmt. Aber man sollte nicht verachten, dass es immer noch einfacher ist, „Du Arschloch“ statt „Sie Arschloch“ zu sagen.

CONTRA

Mittlerweile ist „Deutsch“ mindestens genauso vom Aussterben bedroht wie der weiße Tiger. Egal wohin man hört, unsere „Muttersprache“ ist überschwemmt von Abkürzungen und Anglizismen. Wohin man sieht, überall trifft man auf eine Flut von überwiegend englischstämmigen Begriffen: Man ist nicht Verkaufsberater, sondern Sales Advisor. Man hat kein Treffen, sondern ein Meeting. Fraglich am inflationäre Benutzen solcher Begriffe ist vor allem, ob das wirklich nottut, und, warum unsere Generation die einzige auf der Welt ist, die nicht wirklich mit ihrer Muttersprache kommunizieren kann. Zusammen mit Fäkalausdrücken, wie „Fuck“, „Dulli“, “Hurensohn“, und diversen Grunzlauten, mit denen man sogar komplexe Fragen beantworten kann, ist die moderne Kommunikation zwischen den Jugendlichen in Deutschland perfekt. Ein großes Problem ist, dass durch die stark vereinfachten Chatgespräche immer mehr Menschen die einfachsten Begriffe nicht mehr verstehen und viele Jugendliche, egal welcher Herkunft, Probleme mit der Rechtschreibung haben.

Doch nicht nur das: Mit der Anrede „Sie“ haben wir im Deutschen eine einfache Möglichkeit, Respekt gegenüber anderen auszudrücken. Doch insbesondere durch die falschen Vorbilder im Ausland, wird heutzutage fast sofort das „Du“ verwendet. Damit wird nicht nur deutsches Sprachgut, sondern auch wichtige zwischenmenschliche Bestandteile, wie die Höflichkeit, mit Füßen getreten.

Unsere Sprache ist ein wichtiges Bindeglied zwischen den Menschen und es ist mehr als bedauerlich, wenn sich dieses nur wegen jugendlicher Verblendung ändert. Deutsch ist nicht einfach nur eine Sprache, sondern ein Teil unserer Kultur. Und die Menschen, denen das vollkommen gleich ist, sind nur zu bemitleiden, da sie wohl nicht verstanden haben, dass Kultur und Sprache die Dinge sind, die uns von den Tieren unterscheiden. So betrachtet kann man behaupten, dass auf diese Weise die Rückentwicklung zu einer primitiven Lebensform stattfindet.
Das Deutsche ist viel mehr als das, was im Unterricht besprochen wird. Mit dem Deutschen können die schönsten Geschichten erzählt werden, die durch den Reichtum der Gestaltungsmöglichkeiten vielfältiger als beispielsweise das schlichte Englische sind. Man denke nur an die verschiedenen Satzstellungsmöglichkeiten, die einem einfachen Satz gleich eine ganz andere Bedeutung geben können. Es ist dieser fast einmalige Facettenreichtum, der unsere Sprache so einmalig macht und für den es sich lohnt, unser aller Sprache zu erhalten und vor dem blinden und gedankenlosen Streben nach „Coolness“ zu schützen.

Sorgen um ihre Sprache machen sich übrigens auch die Franzosen, die ein extra „Spracherhaltungsprogramm“ zur Bewahrung der Reinheit der französischen Sprache haben.

Und überhaupt, wie können wir uns Deutsche nennen, wenn wir noch nicht einmal in der Lage sind, uns auf eine richtige Sprache zu einigen? Wir sollten stolz sein, eine der schwersten Sprachen der Welt zu sprechen.


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