Eine neue Studie zum Thema „Rechtsextremismus in Deutschland“ sorgte Ende diesen Jahres für großen Wirbel – eine Bestandsaufnahme

Deutschland – ein weltoffenes, multikulturelles Land. Ein Land, welches Lehren aus seiner dunklen Vergangenheit gezogen hat. In jedem Fall ein tolerantes Land, in dem Menschen verschiedener Nationen und Kulturen friedlich miteinander leben. Zumindest ist so das Bild, das wir sehen wollen und welches häufig von Politik und Medien vermittelt wird. Doch wie tolerant sind wir Deutschen wirklich?

Es ist noch nicht allzu lange her, da erschütterte ein gewaltiges Erdbeben mit dem Namen „Thilo Sarrazin“ die politische Landschaft in Deutschland, dessen Buch zum meist verkauften Sachbuch seit dem Zweiten Weltkrieg aufstieg. Über eine Millionen Exemplare gingen über die Ladentheken und zumeist waren es gebildete Menschen unterschiedlicher Altersklassen, bei denen das Buch viel Zuspruch und noch mehr Aufmerksamkeit erlangte.

Bis in die Mitte der Gesellschaft

Während das Buch „Deutschland schafft sich ab“ von den Politikern als populistisches Machwerk abgestempelt wurde, traf es einen bisher tabuisierten Nerv in unserer Gesellschaft. Denn das Resultat war eindeutig: mehr als die Hälfte der Deutschen sympathisierte mit Sarrazins Thesen über Ausländer, insbesondere aus dem islamischen Kulturkreis.

In einer im November veröffentlichten Studie gab etwa die Hälfte aller Befragten an, Vorbehalte gegen muslimische Mitbürger zu haben. So verneinten nur 30 Prozent die Aussagen, Muslime kämen nur, um den Sozialstaat auszunutzen und die Bundesrepublik wäre „in einem gefährlichen Maße „überfremdet“.

58,4 Prozent und somit mehr als die Hälfte vertrat damals die Ansicht, die Religionsausübung der Muslime müsse eingeschränkt werden. Jeder Zehnte gab an, sich einen „Führer“ zurückzuwünschen, weil er sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fühle.

Ein Problem auf beiden Seiten

Sind also all die Aufrufe und der Einsatz für mehr Toleranz in einer Gesellschaft, in der auch über 60 Jahre nach dem Holocaust, rund ein Fünftel der Menschen als latent antisemitisch gelten, völlig nutzlos? Täuschen sie nur über die traurige Realität in diesem Land hinweg? Im ersten Moment mag das so aussehen, denn gerne wird für das eigene Versagen ein Sündenbock gesucht, für dessen Stelle die muslimische Minderheit herhalten muss. Auf der anderen Seite trägt ein kleiner Teil der deutschen Muslime selber zu einem negativen Bild in den Köpfen der Menschen bei. Laut einer weiteren Studie, die Anfang März diesen Jahres vom Bundesinnenministerium veröffentlicht wurde, ist ungefähr ein Viertel der deutschen Muslime zwischen 14 und 32 Jahren nicht bereit, sich zu integrieren. Doch schwerlich lässt sich einer bestimmten Seite die Schuld zuzuschieben, da diesem Viertel 25% grundsätzlich islamfeindliche Deutsche gegenüberstehen.
Dennoch muss hierbei unterschieden werden zwischen rechter Gesinnung und rechtsextremistischer Auslebung. Immerhin sind laut Umfragen 95% mit der Demokratie als Staatsform zufrieden. Zudem ist die Zahl der Neonazis in Deutschland in den letzten Jahren deutlich gesunken, zuletzt auf rund 25000. Auch die NPD verliert seit 2007 Mitglieder. Diese Zahlen scheinen im ersten Moment im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung keine große Gefahr darzustellen. Da Rechtsextremismus in erster Linie von einer kleinen Minderheit praktiziert wird, ist es jedoch die größte Gefahr, nicht hinzusehen.

Fazit

Auch wenn rechtsextremistisches oder gar antidemokratisches Gedankengut nur von einer verschwindend geringen Minderheit vertreten wird, müssen sich alle Bürger diesen Ansichten deutlich entgegenstellen. Denn durch das Ignorieren bzw. Tolerieren der rechten Szene wird genau dieser Minderheit der notwendige Platz für ihre Propaganda geboten. Zudem senkt die rechte Grundgesinnung, die durchaus bis in die Mitte der Gesellschaft vorgestoßen ist, die Hemmschwelle, sich radikaleren Ansichten anzunähern. Also ist es neben der Politik auch die Aufgabe jedes Einzelnen, die Augen offen zu halten und sich klar vom braunen Gedankengut zu distanzieren, um den Nährboden für diese Gesinnung größtenteils auszulöschen. Folglich ist es jedoch auch die Aufgabe der Menschen mit Migrationshintergrund, sich verstärkt um Integration zu bemühen, um möglicherweise entstehende Vorurteile im Keim zu ersticken. Letztenlich sind es nämlich nicht Umfragen, die zählen, sondern der Wille.


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