Das Kinderhospiz Löwenherz in Syke versucht schwerkranken Kindern eine geborgene Umgebung zu verschaffen, um ihnen die Zeit, die ihnen noch bleibt, so schön wie möglich zu gestalten.

Der Tag an dem Eltern erfahren, dass ihr Kind an einer unheilbaren Krankheit leidet, verändert ihr ganzes Leben. Nun hat die Pflege und Versorgung oberste Priorität. Oft werden Eltern bis an den Rand der Erschöpfung gefordert. Selbstverständliche Dinge wie mal eine Nacht durchzuschlafen und Zeit zu haben sind oft ein unerfüllbarer Wunsch, diese Familien brauchen Unterstützung von Menschen in der Nähe. Menschen, die helfen diese Last mitzutragen. Ob so etwas nun Schicksal oder Zufall ist, weiß niemand. Fakt ist, die Krankheit bleibt, aber im Kinderhospiz Löwenherz bekommt man die Chance, das Beste daraus zu machen. „Ein Kinderhospiz umfasst ambulante und stationäre Einrichtungen für unheilbar und lebensvekürzend erkrankte Kinder, deren Eltern und Geschwister. Das Kinderhospiz Löwenherz in Syke zwischen Bremen und Hannover wurde im Oktober 2003 eröffnet. Dort können sich Familien einige Tage oder auch Wochen erholen, während das schwerkranke Kind in einer familiären Atmosphäre, liebevoll und kompetent betreut wird. In dem Haus befinden sich acht Pflegeplätze, ein seperater Wohnbereich für die Angehörigen. Im Jahr können so bis zu 150 Familien aufgenommen werden.“ Auf diese nüchterne Weise beschreibt der Alleswisser Wikipedia ein Kinderhospiz.

Einrichtung zum Wohlfühlen

Dabei ist es so viel mehr als nur „eine stationäre Einrichtung“. Eigentlich hatten wir eine sehr bedrückte, melancholische Stimmung erwartet, doch die Wärme und vor allem die fröhliche Atmosphäre bemerkten wir schon in der Eingangshalle. An der Decke hingen lauter bunte Schmetterlinge, die mit Namen der Kinder versehen waren. Jedes Kind bastelt bei seiner Aufnahme in das Hospiz mit seiner Familie einen Schmetterling. Es ist ein Ausdruck für die Seele des Kindes. Wenn das Kind stirbt, wird er symbolisch für die Seele beim Abschiedsritual in den Himmel gelassen.“ Die Räume strahlen durch ihre warmen Farben und ihre liebevolle Einrichtung eine Gemütlichkeit und Freundlichkeit aus. So sieht es auch eine Erzieherin, die seit einem Jahr halbtags dort arbeitet: „Hier wird gelebt! Hier ist es uns möglich den Familien Zeit zu schenken, die sie zu Hause durch die aufwendige Pflege des kranken Kindes nicht haben. Vorher hat die Erzieherin in einer Krippe gearbeitet, suchte aber eine neue Herausforderung, denn „man wächst mit seinen Aufgaben.“ Ihre Aufgabe ist es, die Geschwister und Eltern des kranken Kindes zu betreuen und zu begleiten. Damit sie den nötigen Abstand behält, tauscht sie sich viel mit anderen Mitarbeitern aus oder schafft mit Sport den Ausgleich.

Die besondere Art der Verständigung

Einen weiteren wichtigen Teil des Kinderhospizes stellt die Arbeit der Krankenschwester / des Krankenpflegers dar. Eine der Pflegerinnen erzählte uns, dass die Arbeit ihr großen Spaß mache, da man die Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernt, wobei es sehr spannend ist, bestimmte Verhaltensweisen wieder zu entdecken. 90Prozent der Kinder können auf Grund ihrer schweren Behinderung nicht normal kommunizieren. „Man muss spüren was die Kinder einem mitteilen wollen und was sie fühlen. Wie reagiert das Kind auf was und warum?“ Auch sie muss in ihrem Job sehr flexibel sein, da der Tagesplan von den Eltern vorgegeben wird. Die meisten wünschen sich Normalität, damit der Rhythmus des Alltags nicht verloren geht, andere wünschen sich mehr freie Zeit für ihre Familie. Wichtig sei es der Familie zu zeigen, dass das Leben weitergeht und dass sie mit ihrer Trauer nicht allein gelassen werden.
Auf die Frage wie die Kinder mit ihrem Schicksal umgehen antwortet sie: „Sie kennen ihr leben nicht anders. Man muss sie sehr aufmerksam behandeln, weil die Kinder meist spüren, wann ihre Zeit zu Ende ist.
Die Leiterin des Kinderhospiz Löwenherz Gaby Letzing, hat die Einrichtung zu dem gemacht was sie jetzt ist. Sie und ihr Team haben nicht einfach nur ein Haus gebaut, sondern mit ihrer Liebe zum Detail auch dafür gesorgt, dass Kinder und Familien ein zweites zu Hause geschenkt wird. So hat zum Beispiel jeder Raum seinen eigenen Namen wie: Kleine Oase, Sternstunde, Lichtblick, Die Gute Stube, Abenteuerland oder Indianerbär. „Wir wollten einen Platz schaffen, in Zusammenarbeit mit Eltern, wo schwerstkranke Kinder einen Ort haben, an dem sie sich wohlfühlen, wo die Familie aufgenommen werden kann und wo es immer eine kleine Oase gibt.“ Den Betroffenen und ihren Angehörigen soll eine Perspektive geboten werden. Die Eltern haben die Möglichkeit das Kind hier in pflegerische Hände zu geben, um die Zeit zu nutzen mit anderen Geschwistern etwas zu unternehmen, da diese im Alltag oft zu kurz kommen. Außerdem kann man im Hospiz mit Krisensituationen umgehen, wenn es dem Kind schlecht geht, erfahren wir im Gespräch.
Das Kinderhospiz unterstützt die betroffenen Familien, sich langsam auf den Abschied vorzubereiten: „Wir behandeln das Thema Tod und Sterben so natürlich wie möglich, es gehört in diese Arbeit und in diesem Haus dazu!“ Gaby Letzing berichtet uns, dass sie und ihre Mitarbeiter versuchen, egal wie krank ein Kind ist, es überall mit einzubeziehen. Es ist allerdings nicht selbstverständlich, dass die Kinder wissen, wie es um sie steht. Für manche Eltern ist es sehr schwierig offen darüber zu reden, weil sie Angst vor der Reaktion ihres Kindes haben. Allerdings gibt es Hinweise der Erkrankten darauf, dass sie wissen möchten, ob und wie ihr Leben weitergeht, sie sagen dann oft Sätze wie zum Beispiel: „Wenn ich wieder gesund bin, dann…“ Doch auch den Pflegern fällt es schwer das Gespräch mit ihnen zu suchen und Klarheit zu schaffen: „So schlimm ihr Schicksal auch ist, es tut den Kindern gut, wenn sie erfahren wie es mit ihnen weitergeht.Wir wollen, dass sie die letzten Tage so schön wie möglich verbringen können. Auch wenn wir ihnen „nur“ ihre Schmerzen nehmen können, ist das schon ein großer Erfolg.

Die Kinder leben in der Erinnerung weiter

Bei Abschiedsritualen oder wenn ein Kind stirbt ist es das Wichtigste mit ihnen zu kommunizieren, auch wenn man nicht genau weiß, was der oder die Betroffene realisiert: „Sie sollen die Atmosphäre spüren, die Traurigkeit.“ Wenn das Kind dann verstorben ist, ist es auch für die Betreuer sehr traurig, da sie zu dem Kind ein vertrautes Verhältnis hatten und es gepflegt haben. In anderen Fällen ist aber auch Erleichterung zu spüren, auf Grund der schlimmen Krankheitsverläufen, bei denen die Kinder unter starken Schmerzen und Einschränkungen leiden mussten. Doch auch nach dem Tod werden die „Löwenherzen“ nicht vergessen. So bekommt jedes Kind nach dem Tod einen Erinnerungsstein, der von der Familie bemalt wurde. Obwohl das Leben oft sehr kurz war, ist es doch vollendet. Sie freuen sich über die kleinen Dinge im Leben: „Wenn sie im Whirlpool sind, dann haben sie sehr glückliche Momente. Auch materielle Dinge spielen für sie keine Rolle! Allein die Nähe zu ihren vertrauten Personen, bedeutet für sie großes Glück. Finanziert wird das Kinderhospiz Löwenherz hauptsächlich durch Spenden. Den Familien hilft es zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich für sie engagieren. Außerdem hilft es offene Nachmittage zu veranstalten, bei denen man „Löwenherzluft schnuppern“ kann.
Ob so eine Krankheit nun Zufall oder Schicksal ist, bleibt dem lieben Gott überlassen, Fakt ist die Krankheit bleibt. Aber im Kinderhospiz Löwenherz bekommen betroffene Kinder und ihre Familien die nötige Unterstützung.
Eigentlich müsste bei Wikipedia also stehen: „Das Kinderhospiz Löwenherz in Syke bei Bremen, ein Ort für Kinder, deren Zeit hier auf der Erde begrenzt ist. Aber auch für ihre Eltern und Geschwister. Ein Ort an dem sich Menschen geborgen fühlen, wo jemand da ist, wo ihnen Zeit geschenkt wird und wo sie Zeit haben für sich und andere. Vier Wochen pro Jahr können die Familien hier ausspannen, Kraft tanken für die meist schwierigen Anforderungen des Alltags. Ein Ort an dem täglich gelacht und gelebt wird.“, so beschreibt sich auch das Kinderhospiz Löwenherz selbst.

Bemerkenswert

Den Menschen, die diese bemerkenswerte Arbeit jeden Tag aufs neue leisten, gebührt größter Respekt! Wenn Du die Familien und das Kinderhospiz Löwenherz unterstützen willst, kannst Du ganz leicht auf der Internetseite unter www.kinderhospiz-loewenherz.de auch online spenden! Und Deine Hilfe wird gerade jetzt benötigt, auf dem Grundstück soll nämlich in naher Zukunft zusätzlich ein Jugendhospiz mit acht Plätzen gebaut werden. Denn Jugendliche und Erwachsene benötigen eine andere Betreuung als Kinder und individuelle Möglicheiten. Auch angesichts der Warteliste ist eine Erweiterung dringend erforderlich. Du siehst Du wirst gebraucht also tue etwas Gutes und spende!


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen